Die Südhang Arbeitsintegration & Handels AG bietet Menschen einen Rahmen zur sozialen und beruflichen Integration. Ziel ist es, dass die Menschen Schlüsselkompetenzen für die Arbeitswelt (wieder)aufbauen und Stabilität zurückgewinnen können. Sonja Tscholl Egli, Leiterin Produktion, erzählt im Interview, wie sie die Menschen dabei unterstützt und worauf es zu achten gilt.
Sonja Tscholl Egli, was sind deine Aufgaben hier?
Ich bin so etwas wie die Schnittstelle zwischen der Wirtschaftlichkeit des Betriebs und dem sozialen Auftrag. Auf der einen Seite stelle ich zusammen mit dem Team sicher, dass unsere Kundschaft ihre Möbel termingerecht erhält. Auf der anderen Seite gebe ich den Teilnehmenden eines Arbeitseinsatzes Raum und Zeit, damit sie an ihren individuellen Themen arbeiten können. Jede und jeder von ihnen trägt seinen/ihren Rucksack und hat unterschiedliche Bedürfnisse.
Das klingt anspruchsvoll.
Ja, es ist spannend und herausfordernd zugleich, alles unter einen Hut zu bringen. Es ist manchmal ein Spagat, qualitativ hochwertige Möbel produzieren und ausliefern zu können und dabei die Teilnehmenden nicht zu stark unter Druck zu setzen, sondern sie zu beflügeln, damit sie ihre Fähigkeiten entfalten können. Schliesslich sollen die Teilnehmenden von ihrem Einsatz bei uns profitieren – genauso wie wir ihre «helping hands» schätzen.
Wie kommt ein*e Teilnehmer*in zu einem Arbeitseinsatz bei der Südhang Arbeitsintegration & Handels AG?
Durch das Arbeitsintegrationsprogramm der Klinik Südhang oder durch Partnerorganisationen aus unserem externen Netzwerk. Dazu gehören zum Beispiel die GEWA oder das Kompetenzzentrum Arbeit der Stadt Bern. Eine Fachperson dieser Organisationen begleitet die Teilnehmenden während ihres Einsatzes in Form eines Coachings. Wir sind in engem Austausch mit diesen Job Coaches und können so das Setting, sprich die Rahmenbedingungen eines Arbeitseinsatzes, bei Bedarf rasch anpassen.
Wer sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Programm wie diesem?
Das sind Menschen wie du und ich. Sie haben irgendwo eine Schwierigkeit, wollen diese anpacken und an sich arbeiten. Sie haben aber auch alle ein Talent, eine Fähigkeit, die es zu entdecken und zu fördern gilt. Es ist unsere Aufgabe, sie in diesem Prozess bestmöglich zu unterstützen. Einige brauchen dafür etwas mehr Begleitung, Raum und Zeit, andere weniger.
Bist du ein besonders geduldiger Mensch?
Ausser mit mir selbst bin ich wohl sehr geduldig, ja. Es braucht trotzdem eine gute Planung. Ich überlege mir sorgfältig, wem ich welche Arbeiten zuteile, damit ich die Stärken der Teilnehmenden erreiche und die Aufgaben für sie gut machbar sind. Ich beobachte genau, teste, fordere heraus, gebe Rückmeldung. Nur so kann ich ihnen den nötigen Raum für ihre Entwicklung geben.
Wie förderst du die Teilnehmenden im Arbeitsalltag konkret?
Ich versuche, den wirtschaftlichen Druck bei uns, sprich den festangestellten Mitarbeitenden, zu halten und bei den Programmteilnehmenden nur dort sanft Druck aufzusetzen, wo es um ihre persönliche Entwicklung geht. Ich ermutige sie, etwas auszuprobieren und an sich zu glauben. Ich unterstütze sie darin, sich zu stärken und Lösungen zu finden, damit sie diese als ein positives Erlebnis verinnerlichen können.
Kannst du ein Beispiel nennen?
Ich erinnere mich an eine teilnehmende Person, der das Aufstehen am Morgen grosse Mühe bereitete. Also haben wir gemeinsam vereinbart, dass sie sich einen zweiten Wecker stellt. Andere lernen, dass sie sich melden müssen, wenn sie krank sind oder den Bus verpasst haben. Es sind kleine Dinge, die den Unterschied machen. Aber gerade diese Erfolgserlebnisse tragen dazu bei, die Schlüsselkompetenzen für den Arbeitsalltag nachhaltig (wieder)aufzubauen und zu stärken.
Was freut dich persönlich an deiner Aufgabe?
Wenn ich den Menschen Raum geben kann, gibt mir das sehr viel zurück. Wenn ich es schaffe, termingerecht zu liefern und gleichzeitig den Menschen die Zeit zu geben, an sich zu arbeiten – dann bin ich zufrieden. Es ist erfüllend zu sehen, wie jemand eine Lösung findet, wenn man eine Hilfestellung und genug Zeit dafür geben kann. Dass wir diese Zeit geben dürfen, ist fantastisch und zeichnet die Südhang Arbeitsintegration & Handels AG als Sozialfirma aus.
Angebot «Neustart üben»
Die Südhang Arbeitsintegration & Handels AG bietet einen Rahmen zur sozialen und beruflichen Integration von jährlich rund 25 – 30 Menschen.
Sind Sie auf der Suche nach einem Arbeitsplatz für einen Menschen, der den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag üben möchte?
Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

